LS-Keller der “Akademie für Jugendführung”

Eines der großen Bauvorhaben in Braunschweig war die Errichtung der “Akademie für Deutsche Jugendführung” an der Wolfenbütteler Straße. In dem von 1936 (Grundsteinlegung) bis 1939 nach Entwürfen von Erich zu Putlitz (1882-1945) erbauten Gebäudeensemble sollten die höheren Führungsränge der Hitler-Jugend eine weiterführende Ausbildung erhalten, um schließlich im Führerkorps der Hitler-Jugend Aufnahme zu finden.
Auch bei diesem Bau fand die 2. Durchführungsverordnung zum Luftschutzgesetz vom 4. Mai 1937 (Bauliche Maßnahmen zu LS-Zwecken) Anwendung. So wurden im nördlichen Teil der Unterkellerung des Hauptgebäudes zwei voneinander unabhängige Luftschutzräume angelegt. Diese waren links und rechts des Hauptgangs angeordnet und hatten ihre Zugänge neben dem Treppenhaus.

Grundriss des LS-Kellers

Die Anlage umfasste insgesamt zwölf Räume, von denen zwei für die Gasschleusen vorgesehen waren. Die Grundfläche der Anlage betrug etwa 400 Quadratmeter. Die Soll-Belegungsstärke war mit 130 Personen (100 Akademieschüler und 30 Lehrer nebst weiterem Personal) veranschlagt. Jedem Schutzrauminsassen hätten dann drei Kubikmeter Luft zur Verfügung gestanden. Vier Aborte und vier Waschgelegenheiten sollten die hygienischen Anforderungen befriedigen.
Schwachpunkt der Anlage war das Treppenhaus, das im Falle eines Luftangriffs leicht hätte verschüttet werden können. Aus diesem Grund wurden die in Kellerschächten unter Erdniveau versenkten und mit gassicheren Blenden versehenen Fenster der Schutzräume als Notausstiege vorgesehen.

Markierung der Notausstiege des LS-Kellers (2005)

Die Decken der Luftschutzräume wurden zwar für eine Trümmerlast von 1,5t/qm ausgelegt, jedoch erkannte man schon bald den Nachteil, dass der Trümmerschutt des getroffenen Gebäudes in die Kellerschächte gelangen würde und der Notausstieg somit blockiert wäre. Man entschloss sich daher dazu, vom Luftschutzkeller einen trümmersicheren Fluchtgang zu bauen, der unter der westlichen Terrasse hindurch bis zum Abhang der Okerniederung führte und dort in einem bunkerartigen Vorbau endete. Früher besaß dieser eine massive Stahltür, heute ist der Ausgang vermauert.

Ausgang des Fluchtgangs (2005)

Die Gebäudeteile der “Akademie für Deutsche Jugendführung” blieben vor Bombenschäden verschont. Lediglich in der unmittelbaren Nachkriegszeit wurde das bewegliche Inventar durch Plünderung entwendet.

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