Das Luftflottenkommando

Braunschweig galt in den 1930ern bereits als “Stadt der Flieger”, was sicherlich auch dazu beigetragen hatte, dass bei der Wiederaufrüstung im Nationalsozialismus allein drei Luftwaffenkasernen in Braunschweig entstanden. 1938 wurde dann auch noch das Hauptquartier der neugebildeten Luftwaffengruppe II (West) nach Braunschweig gelegt. An der Grunewaldstraße (damals: Boelckestraße), in unmittelbarer Nähe zum damaligen Aufmarschplatz des heutigen Franzschen Feldes, war vorher ein repräsentativer Staatsbau entstanden, zu dem Hermann Göring als Reichsminister der Luftfahrt und Oberbefehlshaber der Luftwaffe am 1. November 1936 den Grundstein gelegt hatte. Dabei wurde Göring nebenher zum Ehrenbürger der Stadt ernannt. Knappe 15 Monate später war der massige Komplex nebst einiger Seitengebäude (u.a. Offiziers­wohnhäuser) fertiggestellt und wurde am 30. März 1938 eingeweiht.

In dem über 300 Räume umfassenden Luftflottenkommando, das für den gesamten nordwest­deutschen Raum zuständig war, wurden Fliegerhorste geplant, Fliegerbewegungen koordiniert und auch Mobilisierungspläne erstellt. Wie bei Staatsbauten üblich, wurde repräsentativ gebaut: Rauhputz an der Außenseite, Werkstein-eingefasste Fenster und Türen und Säulen geben dem Bauwerk einen massigen Charakter. Im Inneren dominieren polierter Kalkstein, Messing und Kassettendecken das Erscheinungs­bild. Die kleinen Büros verfügten über Panzer­schränke, die auch heute noch vorhanden sind. Für den Schulbetrieb sind heute je drei Büros zu einem Klassenraum zusammen­gelegt. Erhalten geblieben sind noch die für die Akten vorgesehenen Lasten­aufzüge und die Paternoster für den Personen­transport (beides wird jedoch nicht mehr verwendet und lediglich aus denkmal­pflegerischen Gesichtspunkten erhalten). Im Keller der Gebäudetrakte befinden sich Luftschutzkeller. Auch sind hier die abgeklemmten Reste dicker Kabelstränge zu erkennen – wohl die Kommunikationsadern der ehemaligen Leitstelle.
Auch der Dachboden bietet Besonderheiten: So wurde aus Schutzüberlegungen heraus ein teilweise betonierter Dachstuhl ausgeführt. An einer Stelle ist ein Bombentreffer dokumentiert, hier wurde der Betonträger zerstört. Ansonsten blieb das Gebäude aber während des Krieges von der Zerstörung verschont und behielt so im Inneren und Äußeren den Charakter eines NS-Bauwerks.

Nach Kriegsende richteten dann die britischen Besatzungssoldaten hier ihr Hauptquartier ein. Ab 1948 zog dort die “Niedersächsische Erziehungsstätte” ein. Weitere vielfältige Verwendungen (Kino, Bücherei, Theater) folgten. Heute steht ein Großteil des Gebäudekomplexes der IGS Franzsches Feld zur Verfügung. Ein Teil diente aber auch lange Zeit wieder einem militärischen Zweck: dort waren u.a. das Kreiswehrersatzamt und eine Bundeswehrfachschule untergebracht.