Die Flieger-Technische Vorschule

Im Reichsgebiet entstanden ab 1937 bis zu drei Dutzend Flieger-Technische Vorschulen (FlTV). Diese waren dem Reichsluftfahrtministerium unterstellt und den lokalen Firmen der Luftwaffen­rüstungsindustrie angegliedert. Ziel war die Schaffung einer großen Anzahl flieger­technischen Personals, das für die Wartung und Instandsetzung der Flugzeuge der Luftwaffe zuständig sein sollte. Die FlTV hatten die Aufgabe, 14- bis 15-jährige Jugendliche durch eine umfassende technische und vormilitärische Ausbildung zu fliegertechnischen Soldaten der Luftwaffe heranzubilden. Im Anschluss an die obligatorische zivil-militärische Ausbildung mussten sich die Schüler der FlTV zu einer 12jährigen Dienstzeit bei der Fliegertruppe verpflichten. Dort sollten sie als Unteroffiziere im technischen Dienst Führungs­aufgaben für die Mannschaften des Bodenpersonals wahrnehmen. Besonders begabten Personen wurde eine Ingenieurs­ausbildung oder ein Offiziersrang in Aussicht gestellt.
Aus den Fliegertechnischen Vorschulen entwickelten sich 1941 die Technischen Vorschulen der Luftwaffe und 1944 die Flieger-Ausbildungsheime der NSDAP-Hitlerjugend. Die größte Flieger-Technische Vorschule im Deutschen Reich ging 1938 am Südrand von Dessau-Alten in Betrieb und verfügte über eine Ausbildungs­kapazität von etwa 400 Militärschülern mit den Fachrichtungen Metallbau, Motorenbau und Elektrik.

Die Flieger-Technischen Vorschulen galten als elitäre Bildungseinrichtungen: so wurde eine Vorauslese, die körperliche, geistige und technische Veranlagung berücksichtigte, durch die Berufs­beratungsstellen der Arbeitsämter vorgenommen. Die Anwärter wurden im Anschluss einer ärztlichen und psychologischen Begutachtung unterzogen, bevor abschließend eine nochmalige militär­ärztliche Untersuchung und Begutachtung durch eine Kommission unter Vorsitz einer Luftwaffen­offiziers vorgenommen wurde.
Die Ausbildung, Unterbringung, Verpflegung und Heilfürsorge war für die sog. “Militärschüler” der FlTV kostenfrei. Sie erhielten die Uniform der Flieger-HJ und eine militärische Ausbildung, die neben ausgedehnten sportlichen Aktivitäten auch Schießübungen (und später Flak-Ausbildung) beinhaltete. Aber auch der “nationalpolitische” Unterricht und eine weltanschauliche Schulung wurden umfassend erteilt. Eine jährliche Segelflugübung sollte zu Mut, Entschlossenheit und Verantwortungs­bewusstsein beitragen. Sie fand für die Braunschweiger Militärschüler am Heeseberg statt.
Ansonsten bestimmte die Fachausbildung den Tagesablauf. Diese erfolgte in den Lehrwerkstätten der Flugzeugwerke gemeinsam mit den regulären Lehrlingen. Die Ausbildungsdauer betrug vier Jahre (dies wurde im Krieg aber reduziert), davon zwei Jahre für die Arbeit in der Lehrwerkstatt und zwei Jahre für die betriebliche Ausbildung. Die Lehrberufe an den Flieger-Technischen Vorschulen waren Metallflugzeug­bauer, Flugmotoren­schlosser, Elektromechaniker (Flugzeug­elektriker), Mechaniker (Waffenbauer) und Feinmechaniker. Neben der praktischen Ausbildung erhielten die Schüler bis zur Facharbeiter­prüfung einen wöchentlichen achtstündigen Unterricht an den Werkberufsschulen.

Die Standorte der FlTV befanden sich meist an Orten mit Flugzeug- und Flugmotoren­industrie, in Braunschweig im Ortsteil Querum in der Nähe der Niemo. Hier stand am Waggumer Weg 26 ein zweigeschossiges kasernenartiges Gebäude (Bilder rechts), das über einen eingeschossigen Seitentrakt mit Speisesaal verfügte. Etwa 120-140 Militärschüler unter dem Heimleiter Artur Krause erhielten hier ihre Ausbildung als Flugmotoren­schlosser. Die Lehrwerkstatt befand sich in etwa zwei Kilometer Entfernung auf dem Niemo-Gelände.
Am 21.Februar 1944 erhielt das Gebäude der FlTV während eines Luftangriffs zwei Volltreffer auf die Kopfenden und wurde dabei weitgehend zerstört. Nach dem Krieg wurden die Überreste abgerissen. Am ehemaligen Standort der FlTV Braunschweig befindet sich heute Wohnbebauung.